Die Bilder des Zeugen Schattmann

Ein Film des Fernsehens der DDR in vier Teilen nach Motiven des Romans von Peter Edel, der auf emotional eindringliche Weise den Holocaust thematisiert.

Im Jahre 1964 – Frank Schattmann (Gunter Schoß) steht vor einer großen Herausforderung: er soll vor dem Obersten Gericht der DDR in der Verhandlung gegen Hans Globke aussagen. Globke war während der Zeit des Nationalsozialismus aufs engste mit der Umsetzung der gegen die Juden gerichteten Nürnberger Gesetze befasst. In der BRD war er bis in die sechziger Jahre hinein als Staatssekretär tätig. In Vorbereitung seiner Aussage gegen diese Menschen verachtete Person überdenkt Frank Schattmann noch einmal seine schlimmen Erlebnisse in der Nazizeit und findet dabei, nach einer Zeit von fast 20 Jahren, zu sich selbst.

In einer ersten Rückblende führt der Film in das Jahr 1943 zurück. Es ist schon Tradition, dass sich die Familie Schattmann und ihre Freunde freitags treffen. An einem dieser Freitage muss sich nun Bernhard Marcus (Martin Flörchinger) von den anderen verabschieden, weil seine Deportation unmittelbar bevor steht. Frank und Esther Schattmann (Renate Blume) entschließen sich in Anbetracht der aktuellen Situation, sich dem aktiven Widerstand gegen die Nazis anzuschließen. So sabotieren sie die Abläufe in einem Rüstungsbetrieb und verteilen Flugblätter, die gegen den Krieg und das „Dritte Reich“ gerichtet sind. Im Radio informieren sie sich bei den „Feindsendern“, wie es um das Vorankommen der alliierten Truppen bestellt ist.
Die Deportationen aber gehen weiter. Von den Schattmanns trifft es nun auch Erich (Horst Schulze). Seine Frau Grete (Helga Göring) kann diesen Verlust nicht verwinden und verstirbt. Schließlich ist auch Esther unauffindbar, und noch bevor Frank die Flucht ergreifen kann, wird er verhaftet und ins KZ Auschwitz verbracht. In diesem Lager begegnet er auch seiner Esther das letzte Mal. Franks Mitgefangene bestärken ihn, seinen Wunsch zu malen in die Tat umzusetzen; es gelingt ihnen sogar, die Bilder aus dem Lager herauszuschmuggeln.

Frank Schattmann hat Auschwitz überstanden. Nach Ende des verheerenden Krieges und der Niederschlagung der faschistischen Herrschaft versucht er, seine Freunde wieder zu finden. Doch die bittere Wahrheit ist, dass nur wenige überlebt haben. Jacob Dankowitz (Walter Jupé) ist einer der noch Lebenden. Er wohnt inzwischen in London und versucht, die schlimme Vergangenheit zu verarbeiten. Dazu begibt er sich nach München, wo er auf einen der Gestapo-Leute trifft, die ihn gefoltert hatten. Dieser Mensch ist inzwischen wieder in Amt und Würden.
 
Bevor Frank Schattmann vor dem Obersten Gericht seine Aussage gegen Globke machen will, begibt er sich mit seiner Freundin Andrea (Annekathrin Bürger) noch einmal nach Ausschwitz, wo er mit seiner Vergangenheit erneut konfrontiert wird.


Produktionsland: DDR
Regie und Drehbuch: Kurt Jung-Alsen, Peter Edel
Besetzung
Gunter Schoß: Frank Schattmann
Renate Blume: Esther Schattmann
Wolfgang Dehler: Helmut Wall
Annekathrin Bürger: Andrea Wohlfahrt
Stanislaw Niwinski: Bolkowski
Dietmar Obst: Harry Kornbund
Helga Göring: Grete Schattmann
Horst Schulze: Dr. Erich Schattmann
Martin Flörchinger: Bernhard Marcus
Alfred Struwe: Fritz Marcus
Betty Loewen: Berta Grün
Hans Flössel: Merzen
Gerhard Bienert: Leon Schapiro
Helmut Straßburger: Arnold Gerson
Ruth Glöss: Renate Wittenberger
Walter Jupé: Jakob Dankowitz
Marga Legal: Frau Müller
Willi Schrade: Martin Verbenik
Peter Sturm: Elias Leiser Lernmann
Harry Merkel: Dr. Sonnenschein

2 DVDs

Über den Schriftsteller und Drehbuchautor:

Peter Edel war aus voller Überzeugung Jude und Kommunist. Aus dieser
Identität heraus fühlte er sich nicht als Opfer. In Reden und Gesprächen
versuchte er klar zu machen, wie schwer es für Juden gewesen sei,
sich im Kampf gegen den Faschismus zu behaupten, dass sie dennoch
in den Armeen der Anti-Hitler-Koalition gekämpft, sich lokalen Widerstandsbewegungen
in Polen und Frankreich angeschlossen hätten, das
Warschauer Ghetto befreien wollten. Immer wieder sprach er von der
Herbert-Baum-Gruppe, die zumeist aus Jugendlichen, Kinder des jüdischen
Mittelstandes wie er selbst, bestanden hatte: „Sie waren nicht
nur Kommunisten, mehr noch, sie waren Juden. … an uns Juden, aus
deren Reihen über sechs Millionen sterben mußten, ist es, beharrlich
und konsequent gegen jeglichen Faschismus in der Welt, hinter welcher
Maske auch immer er sich verberge, aufzutreten.“
Das war das Credo seiner Erfahrungen. Peter Edels Spurensuche führte
stets nach Auschwitz und zurück nach Deutschland und in die Welt.
Nach und wegen Auschwitz wurde er Kommunist. Die Bilder des
Zeugen Schattmann waren s e i n e Bilder der Erinnerung.

Die Hauptfigur des Romans ist Frank Schattmann, Alter ego des Autors.
Aufgefordert vor dem Obersten Gericht der DDR auszusagen im Prozess
gegen Hans Globke, ehemals Hitlers Kommentator der Nürnberger
Gesetze und jetzt Staatssekretär in der deutschen Bundesregierung,
erinnert er sich an seine Erlebnisse in der Vergangenheit.

Der Verfilmung des Romans Die Bilder des Zeugen Schattmann wurde,
wie zuvor dem Roman, in der DDR viel Aufmerksamkeit zuteil.

Es war das erste Mal, dass ein Drehstab aus Deutschland nach Auschwitz
fuhr, um dort, am Originalschauplatz, Aufnahmen für einen Film zu
machen. Gelingen konnte dies wahrscheinlich nur, weil Edel gute Kontakte
zum polnischen Komitee der Widerstandskämpfer besaß.
Bis auf Regisseur, Drehbuchautor und den Dramaturgen waren alle
Beteiligten an der Verfilmung des Romans Mitarbeiter des DEFA-Studios
für Spielfilme in Babelsberg, das auch seine Ateliers zur Verfügung
stellte. Einige der mitwirkenden Schauspieler waren Juden, die in der
Emigration oder im KZ gewesen waren oder wie Peter Edel Auschwitz
überlebt hatten. So auch der polnische Schauspieler August Kowalczyk.

Bis 1988 wurden Die Bilder des Zeugen Schattmann mehrmals im I. und II. Programm wiederholt. Auf den Sendern der Bundesrepublik Deutschland lief der Film nicht.

Quelle: Elke Schieber, Filmmuseum Potsdam

Preis: 24.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 329 Minuten
  • Produktionsjahr: 1972
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