Doppelt oder nichts / Monolog für einen Taxifahrer

Zwei Filmklassiker aus dem DDR-TV-Archiv vom Regisseur Günter Stahnke

DOPPELT ODER NICHTS (1964) 2 Teile

Hamburg ist das unmittelbare Umfeld des Privatdetektivs Weber (Werner Toelcke). Er erhält einen neuen Auftrag: Er soll das Hausmädchen Anne (Doris Abeßer) vor einem möglichen Mordanschlag beschützen.
Auftraggeber für seinen neuen Job ist die Warenhaus AG Steinert, die Weber zum Schutz der bei der Firma Witte angestellten Anne engagieren will. Die Steinert AG lässt das Geld für Weber springen, weil sie sich einen Skandal im Hause Witte erhofft. Nach ersten Recherchen ist Weber eher skeptisch, dass Anne in Gefahr ist, Opfer eines Anschlags zu werden, nur weil sie ein Kind vom Juniorchef des Unternehmens Witte erwartet. Aber das Honorar für die Erfüllung dieses Auftrags ist üppig, so entschließt sich Weber, in dieser Sache am Ball zu bleiben.
Die ganze Angelegenheit kommt richtig in Fahrt, als Witte-Junior mit Anne zu einer Wochenendfahrt in die Schweiz reist; Viktoria und Weber folgen den beiden, und tatsächlich: als beide von dort zurückgekehrt sind, ist sich Weber sicher, dass Michael Witte (Klaus Piontek) Anne von einem Felsplateau in die Tiefe gestürzt hat. Die zuständige Schweizer Polizeibehörde findet dann auch die Leiche einer bis dato unbekannten jungen Touristin. Der Fall scheint eindeutig zu sein, doch dann erreicht Weber die Nachricht, dass Michael Witte und Anne wohlbehalten aus der Schweiz zurückgekommen sind.

Regie: Günter Stahnke
Darsteller:  Werner Toelcke,  Ellen Tiedtke,  Doris Abeßer,  Jiri Vrstala,  Klaus Piontek,  Martin Flörchinger,  Fred Düren

MONOLOG FÜR EINEN TAXIFAHRER (1962)/1990

Nach Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde von vielen DDR-Kunst- und Kulturschaffenden erhofft, dass mit einer möglichen Stabilisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR auch eine “Entspannung” in der Kulturpolitik möglich wäre und dass man damit auch “freier” und realistischer die Gegenwartsprobleme und den Alltag der Menschen in der DDR gestalten könne. So gab es durchaus zu Beginn der 1960iger Jahre künstlerische Versuche bei Film und Fernsehen, die Wirklichkeit des sozialistischen Lebens differenzierter widerspiegeln zu wollen. Doch alsbald sollte sich zeigen, dass das nur bedingt möglich war, womit einige dieser Produktionen durch die zuständigen SED-Verantwortlichen auch als “wider die ideologische Zielsetzungen” eingestuft wurden. Für den speziellen Fall des “Monologs für einen Taxifahrer” bedeutete das, dass die geplante Ausstrahlung am 23.12.1962 kurzfristig abgesetzt und der Fernsehfilm verboten wurde. Erst im April 1990, also nach der “Wende”, kam er zur Aufführung.
Dieser TV-Film hatte wie zuvor auch “Fetzers Flucht” seine Eigenheiten in der künstlerischen Umsetzung; Kritiker nannten Punkte wie experimentelle Kamera-Einstellungen, schnelle Schnitte und anderes. Die Hauptperson (Fred Düren als Taxifahrer) gerät in eine Lebenskrise - dies unter sozialistischen Verhältnissen! Die weitere Handlung des Films eröffnet ihm aber eine Lösung seines Konflikts, der “Held” der Geschichte wird wieder in die Gesellschaft integriert. Ein weiteres interessantes Gestaltungselement dabei: die inneren Monologe des Taxifahrers werden von Armin Mueller-Stahl gesprochen.
Letztlich blieb für die verantwortlichen Funktionäre und für die Absetzung des Films entscheidend, dass die Geschichte als Ganzes und die Lösung des Konflikts im speziellen wohl als zu pessimistisch angesehen wurden; der “Held” hatte sich auch nicht mit aller Deutlichkeit zur “sozialistischen Sache” bekannt, wie es notwendig gewesen wäre. Das “sich fremd fühlen” in der DDR, das “auf sich allein gestellt sein”, wenn auch nur zeitweilig, durfte nicht sein; gefragt war immer wieder der positive Held, der durchweg mit Freude am Aufbau des Sozialismus teilnimmt.
Die konkrete Handlung des Films beginnt damit, dass ein Taxifahrer (Fred Düren) ein Mädchen ins Krankenhaus fährt, das kurz vor der Entbindung steht. Er macht sich auf den Weg, um den Vater des Kindes aufzuspüren und ihn mit seiner Verantwortung zu konfrontieren. Es sollte ein steiniger Weg sein, auf den er sich begibt, eine abenteuerliche Odyssee zur Weihnachtszeit…

Autoren: Günter Kunert/Günter Stahnke
Regie: Günter Stahnke
Darsteller:  Fred Düren,  Gina Pressgott,  Marianne Wünscher,  Helga Göring, Agnes Kraus, Helga Piur, Walter Jupé,
Sprecher der Monologe: Armin Mueller-Stahl

1 DVD; Farbe: s/w; FSK: ab 12 Jahren

Preis: 14.99 Euro

  • Laufzeit: 170 Minuten
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann teilen Sie ihn doch mit anderen

Ähnliche Artikel im nd-Shop: