Olle Henry

Michael Gwisdek in einem außergewöhnlich inszenierten DEFA-Film

Ein „Nachkriegsfilm“ im engeren Sinne ist „Olle Henry“ nicht und wollte es auch nicht sein. Sein Ziel heißt nicht Nachreichen von Aufklärung. Die Geschichtsstunde findet nur im Kontext mit den Räumen und Freiräumen statt, die ein Zuschauer selbst gedanklich zu nutzen weiß. Impulse scheinen genügend vorhanden. (Fred Gehler, Film und Fernsehen, Nr. 2, 1984)

Berlin, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Durch einen Zufall begegnen sich Xenia und Henry. Sie ist Animiermädchen in einer noblen Nachtbar, er ein ehemaliger Profiboxer, der durch den Krieg alle Wurzeln und Hoffnungen verloren hat. Ihr Zusammensein gibt ihnen das Gefühl, eine neue Chance zu bekommen. Sie will sich aus dem Halbweltmilieu lösen, er ein Comeback im Boxring versuchen. Doch zunächst kann Henry nur in einer Rummelplatzbude auftreten. Dann lässt Xenia ihre Beziehungen spielen, damit Henry wieder ins Profigeschäft einsteigen kann. Sein ersten Kampf im richtigen Ring endet mit einer Niederlage.

Der Regisseur findet kräftige, ja grelle Szenen, die die einfachsten Abläufe brüchig, mehrdeutig und widersprüchlich erscheinen lassen. Das Fünkchen Hoffnung, das Xenia in Henry zündet, hat es schwer im Meer von Gier und Enttäuschung. Wenn am Ende der Waggon aus dem Bild in neblige Ferne rollt, bleibt der Zuschauer betroffen zurück.

Produktionsland/-jahr: DEFA
Regie: Ulrich Weiß
Darsteller: Michael Gwisdek, Anikó Sáfár, Siegfried Höchst, Hermann Beyer, Ursula Karusseit, Christian Grashof, Gheorghe Patru, Carl-Hermann Risse, Ulrich Mühe u.v.a.

Bonusfilm: Original Dokumentation „Berlin im Aufbau“, Regie: Kurt Maetzig, 1946 (ca. 22 Min.), s/w

1 DVD; Farbe; FSK: ab 12 Jahren

Preis: 12.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 97 Minuten
  • Produktionsjahr: 1983
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