BAAL

Brecht – Schlöndorff – Fassbinder

  • 2014 erschien der Film in restaurierter Fassung im Kino und auf DVD
  • Nach 44 Jahren darf die Brecht-Verfilmung "Baal" wieder gezeigt werden
  • Dichter-Witwe Weigel hatte das Werk 1970 verbieten lassen und "Baal" verschwand für mehr als 40 Jahre in den Archiven
  • Volker Schlöndorff:  "Ich freue mich. Ich habe es fertig gebracht, dass Leuten zum Kotzen ist"...

Obleich der junge und talentierte Dichter Baal von der großbürgerlichen Gesellschaft gefeiert und hofiert wird, verachtet er sie. Er schläft mit der Frau seines Gönners und schwängert Sophie, die ihm aber schnell zur Last wird. Menschen, denen Baal begegnet, nutzt er schamlos aus – selbst seinen Freund Ekart, mit dem er mehrere Jahre durchs Land zieht und den er offen begehrt.

Bei der Produktion von Baal wirkten zahlreiche Personen mit, die seinerzeit kurz vor ihrem künstlerischen Durchbruch standen: die in den Hauptrollen besetzten Darsteller Rainer Werner Fassbinder und Margarethe von Trotta sowie in weiteren Rollen  Hanna Schygulla, Günther Kaufmann, Irm Hermann, Walter Sedlmayr und Carla Egerer.

Schlöndorff entschied sich nicht für eine der vier Fassungen Brechts, sondern stellte eine eigene Synthese aus den verschiedenen Fassungen des Bühnenspiels her. Auf brillante Weise überträgt er das historische Brecht-Stück in die Gegenwart der 1968er und fängt eindrucksvoll die Stimmung der Revolte und sexuellen Befreiung ein.

„Die verblüffendste Wirkung geht bei diesem spätexpressionistischen Werk von seiner ungeahnten Aktualität aus: Schlöndorff hat es nicht als Kostümstück inszeniert, sondern geradezu unbekümmert in unsere von einem neuen Geniekult und gelockerter Auffassungen der Sexualmoral geprägte Zeit transportiert. Und siehe da: Bis hin zur Rolle des Hofnarren, die dem Dichter Baal an den Tischen der Reichen zugewiesen wird, zeigt das frühe Werk Brechts – von dem er 1954 warnend sagte, ‚dem Stück fehlt Weisheit‘ – eine solche Ähnlichkeit mit heute herrschenden Zuständen, dass man in Baal, seinen Mädchen und seinen Kumpanen Gestalten wiederzuerkennen meint, denen man täglich begegnet.“
– Süddeutsche Zeitung, April 1970

Produktionsland: Deutschland
Regie: Volker Schlöndorff
Darsteller: Rainer Werner Fassbinder, Margarethe von Trotta, Hanna Schygulla, Günther Kaufmann, Irm Hermann, Walter Sedsmayr, Carla Egerer u.a.

1 DVD; Farbe; FSK: ab 12 Jahren; Label: Universum Film GmbH

Preis: 12.99 Euro

  • Laufzeit: ca. 87 Minuten
  • Produktionsjahr: 1970/2014
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