Vergessene Kommunisten

Kunst hat oft sehr kurze Verfallszeiten – entweder weil der Geschmack sich ändert oder das Publikum schnell erkennt, dass Kunstgehalt gar nicht vorhanden ist. Oder aber, das ist in politischen Diktaturen mitunter so: weil ein künstlerisches Produkt den Herrschenden nicht (mehr) ins Konzept passt. Das Gemälde von Isaak Brodski »Die Eröffnung des II. Kongresses « der Kommunistischen Internationale im Jahre 1920 hing nur drei Jahre, von 1924 bis 1927.

 

Schon bei der Erarbeitung sah sich der Künstler gedrängt, einstige »Helden der revolutionären Vorhut « wegzuretuschieren bzw. durch – im Augenblick zumindest – genehmeres Personal zu ersetzen.

In der Endfassung von 1924 sitzt Clara Zetkin, in Moskau gar nicht anwesend, auf dem Präsidiumsstuhl Paul Levis, 1920 Vorsitzender der deutschen Kommunisten.

 

Als nach Levi weitere Delegierte des Weltkongresses aus der

Kommunistischen Internationale aussortiert wurden – nicht wenige

endeten vor Stalins Erschießungspelotons–, wurde das Ummalen

dieses Gemäldes zu aufwändig.

Deshalb wurde es bis 1989 weggelegt…

 

Als Vorarbeit für dieses Gemälde hatte Brodski Porträts der wichtigsten

Kommunisten angefertigt, die im deutschsprachigen Raum hier erstmals vollständig veröffentlicht werden. Darunter sind – in zumeist zartem Strich – Lenin, Grigori Sinowjew, Angelica Balabanoff, Sylvia Pankhurst, Nikolai Bucharin, Karl Radek, John Reed, Béla Kun, Giacinto Menotti Serrati, Ángel Pestaña, der spätere Mussolini-Vertraute Nicola Bombacci sowie

Alfred Rosmer, Jacques Sadoul, Henri Guilbeaux und viele weitere längst in der Vergessenheit Verschwundene.

Preis: 25.00 Euro

  • Autor/in: Hedeler, Wladislaw und Schütrumpf, Jörn (beide Herausgeber)
  • Verlag: Offizin- Verlag Hannover
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