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7. Wolfener Filmtage - Kriminalfilme der DEFA

Aus: Entlassen auf Bewährung (DEFA 1965)
Aus: Entlassen auf Bewährung (DEFA 1965)

Verbrechen und Kriminalität in einem sozialistischen Staat waren aus Sicht der DDR-Führung undenkbar. Die Lebenswirklichkeit war jedoch anders. Weil Kriminalität auch weiterhin existierte, wurde diese als Überbleibsel eines alten, eigentlich überwundenen Systems angesehen. Vor 1961 versuchte die DEFA, die kriminellen Handlungen im Film auf die Einflüsse des Westens und der offenen Grenze zu begründen. In den letzten Jahren der DDR spiegelten die DEFA-Filme Kriminalität differenzierter und subtiler wider. In der diesjährigen Filmwoche werden sieben DEFA-Kriminalfilme gezeigt, die zwischen 1954 und 1989 Premiere hatten. Aus heutiger Sicht geben die Kriminalfilme durchaus kritische Einblicke in reale Lebenswelten der DDR-Gesellschaft. Als Gesprächspartner konnten wiederum namhafte Regisseure, Hauptdarsteller und Filmexperten gewonnen werden. Traditioneller Bestandteil der Filmwoche sind zwei Veranstaltungen mit Schülern der 10. bzw. 11. Klassen des Heinrich-Heine-Gymnasiums Wolfen und des Europa-Gymnasiums „Walther-Rathenau“ Bitterfeld.

Kurator und Moderator: Paul Werner Wagner
Eine Veranstaltung des Fördervereins des Industrie- und Filmmuseums Wolfen e. V. in Zusammenarbeit mit dem Industrie- und Filmmuseum Wolfen.
Kooperationspartner und Förderer sind: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen- Anhalt, Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Kulturforum Rosa Luxemburg Stiftung, Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V., Tageszeitung „neues deutschland“, Wohnstättengenossenschaft Bitterfeld- Wolfen, DEFA-Stiftung – Deutsche Kinemathek und Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Filme


Mi, 24.10.2018, 18.30 Uhr:
Entlassen auf Bewährung (DEFA 1965, s/w, 90 min)

Regie: Richard Groschopp; Drehbuch: Gerd Billing, Richard Groschopp; Kamera: Rolf Sohre; Musik: Günter Hauk; Darsteller: Heinz Klevenow, Angelica Domröse, Helga Göring, Volkmar Kleinert, Erik Veldre, Gudrun Ritter, Hans Hardt-Hardtloff, Otto Mellies, Krista Sigrid Lau

Mit dem Motorrad hat der junge Conny Schenk einen Mann angefahren und Fahrerflucht begangen. Dafür kam er ins Gefängnis, führte sich gut, machte eine Ausbildung als Drucker und wurde vorzeitig entlassen. Nun arbeitet er in einem Betrieb, zwei Jahre auf Bewährung. Als in seiner Brigade Geld gestohlen wird, fällt der Verdacht der Meisterin sofort auf ihn. Sie klärt die Kollegen über sein Vorleben auf. Alle misstrauen ihm plötzlich. Conny betrinkt sich in seiner Verzweiflung, und in diesem Zustand trifft er auf seine Freundin Ute, die bis dahin zu ihm hielt. Nun wendet auch sie sich von ihm ab. Conny geht zu einem ehemaligen Mitgefangenen, und der spannt ihn sofort für kriminelle Geschäfte ein ...
Der Film gilt als eine indirekte Fortsetzung von Groschopps „Die Glatzkopfbande“.

Begrüßung: Dr. Ralf Schenk (Vorstand der DEFA-Stiftung) Gesprächspartner: Heinz Klevenow, Dr. Ralf Schenk


Do, 25.10.2018, 10.00 Uhr (Schülerveranstaltung im Industrie- und Filmmuseum Wolfen)
Die Glatzkopfbande (DEFA 1963, s/w, 78 min)

Regie: Richard Groschopp; Buch: Lothar Creutz, Richard Groschopp; Kamera: Siegfried Hönicke; Musik: Helmut Nier; Darsteller: Ulrich Thein, Erik S. Klein, Paul Berndt, Thomas Weisgerber, Rolf Römer, Arno Wyzniewski, Karl-Richard Schmidt, Jürgen Rothert, Paul Berndt, Jürgen Pöschmann, Jutta Wachowiak, Brigitte Krause

Der Film spielt 1961 kurz nach dem Mauerbau. Auf einer Baustelle kommt es zu einem Unfall, bei dem zwei Menschen sterben. Ursache des Unfalls ist Pfusch am Bau. Einer der Verantwortlichen ist ein Arbeiter aus Westberlin, der in der Fremdenlegion gedient hat. Er schart eine Gruppe junger Männer um sich, die sich Glatzen rasieren und zur Tarnung Spitz - namen geben. Die Bande tyrannisiert Gäste eines Zeltplatzes und agiert zunehmend brutaler. „Henningsdorf, im Februar 1963. Eine Lautsprecherdurchsage schreckt die Anwohner auf – von einer Bande ist die Rede, einer ‚Glatzkopfbande‘, die auf Campingplätzen an der Ostsee ihr Unwesen trieb. Doch die Bürger der Stadt können erleichtert aufatmen. Der Lautsprecherwagen rührt die Reklametrommel für einen DEFA-Spielfilm, der gerade in die Kinos kommt: ‚Die Glatzkopfbande‘ ...“

Ohne den authentischen Hintergrund der Ereignisse vom Sommer 1961 würde sich Richard Groschopps Verfilmung „Die Glatzkopfbande“ einreihen in die Vielzahl der zu Zeiten des Kalten Krieges entstandenen Polit-Krimis. Die „reale Glatzkopfbande“ war eine Erfindung der SED-Propaganda, die mit großem Aufwand für die Rechtfertigung des Mauerbaus vermarktet wurde.

Gesprächspartner: Dr. Ralf Schenk


Do, 25.10.2018, 18.30 Uhr
Das zweite Gleis (DEFA 1962, s/w, 80 min)

Regie: Hans-Joachim Kunert; Drehbuch: Günter Kunert; Hans-Joachim Kunert; Kamera: Rolf Sohre; Musik: Pavel Smiai; Darsteller: Annekathrin Bürger, Albert Hetterle, Horst Jonischkan, Walter Richter-Reinick, Helga Göring, Erik S. Klein, Johanna Clas, Brigitte Lindenberg, Paul Berndt, Arno Wyzniewski

Nach einem Diebstahl auf dem Güterbahnhof lässt Fahrdienstleiter Brock einen der Täter davonkommen: Es handelt sich um Runge, der im Zweiten Weltkrieg Brocks Frau – die einen jüdischen Flüchtling versteckt hielt – bei der Gestapo denunzierte. Aus Scham, weil er sich damals nicht gegen das Unrecht wehrte und für seine Frau kämpfte, hat Brock seine Identität geändert. Deshalb weiß auch seine Tochter Vera nichts vom wahren Schicksal der verstorbenen Mutter. Runge setzt den jungen Schlosser Frank auf Vera an, doch der verliebt sich in das Mädchen und entdeckt mit ihr gemeinsam die wahren Hintergründe. Als Frank darauf - hin von Runge ermordet wird, bricht Brock endlich sein Schweigen über die Vergangenheit.

Das Lexikon des internationalen Films befand: „Psychologisch vertiefter Film, dessen glaubwürdiger Konflikt intensiv geschildert wird und der keine billigen Scheinlösungen anbietet. Auch formal, dank expressiver Kameragestaltung und experimenteller Musik, schwingt sich der Film zu großer Meisterschaft auf.“ Die Zeitschrift Cinema schrieb, dass „die bestechende, schattenreiche Optik des Dramas [...] ans expressionistische Kino der 20er und 30er [erinnert ...]. Fazit: Brillant fotografierte Mitläufer-Tragödie“. Für andere Kritiker war es ein bemerkenswerter und radikaler Film.“

Gesprächspartnerin: Annekathrin Bürger


Fr, 26.10.2018, 10.00 Uhr (Schülerveranstaltung im Europagymnasium „Walther Rathenau“ Bitterfeld)
Vernehmung der Zeugen (DEFA 1987, fa, 76 min)

Regie: Gunther Scholz; Buch: Manfred Richter, Gunther Scholz; Kamera: Claus Neumann; Musik: Friedbert Wissmann; Darsteller: Renè Steinke, Anne Kasprzik, Christine Schorn, Franz Viehmann, Johanna Schall, Gudrun Okras, Petra Kelling, Günter Junghans, Henry Hübchen, Mario Gericke

In den 1980er-Jahren in einem Dorf in Mecklenburg. Ein Toter liegt auf dem nächtlichen Dorfplatz. Sein Mitschüler Max hat ihn mit sechs Messerstichen getötet. Eine Zeit lang schien es, als wären beide Freunde. Und beide liebten das Mädchen Viola. War Eifersucht der Grund für die Katastrophe?
Der Film basiert auf der Erzählung „Die Vernehmung der Zeugen“ der Magdeburger Schriftstellerin Inge Meyer. Sie griff einen Schülermord aus dem Jahre 1974 im Dorf Parey an der Elbe auf. Ein Krimi der besonderen Art. Nicht das Rätsel um Täter oder Tatvorgang interessiert, sondern die Vorgeschichte dieser extremen Reaktion. Ein anspruchsvoller Kriminalfilm der DEFA, der zur Auseinanderset - zung zwingt.

Gesprächspartner: Gunther Scholz


Fr, 26.10.2018, 18.30 Uhr
Einer muss die Leiche sein (DEFA 1978, fa, 84 min)

Regie: Iris Gusner; Buch: Iris Gusner nach dem gleichnamigen Roman von Gert Prokop; Kamera: Günter Jaeuthe; Musik: Gerhard Rosenfeld; Darsteller: Helmut Straßburger, Marylu Poolman, Herbert Köfer, Karin Schröder, Otto Mellies, Karin Gregorek, Hannes Fischer, Monika Woytowicz, Hansjürgen Hürrig, Gerd Blahuschek, Getraud Kreißig, Ruth Kommerell

Eine Reisegruppe aus der DDR verbringt die Ferien in Bulgarien an der Schwarzmeerküste. Bei einem Ausflug auf eine einsame Insel zwingt ein Bootsschaden zur Übernachtung. Der Kriminalexperte Dr. Enderlein schlägt vor, sich die Zeit mit einem Mörderspiel zu vertreiben. Eine junge Frau, die eine Leiche spielen soll, findet man tot an der Steilküste. Der Verdacht auf Mord wird laut. Die unheilvolle Situation offenbart die Charaktere der Touristen. Ein psychologisches Kammerspiel als Gruppenporträt im Freien, ein interessantes Psychogramm mehr oder weniger defekter Persönlichkeiten mit großartigen Darstellern.

Gesprächspartnerin: Iris Gusner


Sa, 27.10.2018, 18.30 Uhr
Die Beteiligten (DEFA 1989, fa, 104 min)

Regie: Horst E. Brandt; Buch: Gerhard Bengsch; Kamera: Peter Badel; Musik: Rainer Böhm; Darsteller: Gunter Schoß, Manfred Gorr, Jürgen Zartmann, Karin Ugowski, Christoph Engel, Karin Gregorek, Katrin Knappe, Peter Kube, Wolfgang Greese, Ute Lubosch, Stefan Lisewski, Renate Heymer, Petra Hinze, Friederike Aust

Eine Kleinstadt an der Elbe im Frühjahr 1964. Aus dem Wasser wird die Leiche einer jungen Frau gefischt. Alles deutet auf Unfall hin – während der Dienstfahrt mit dem Stadtrat und seiner Mitarbeiterin soll laut Aussage der Beteiligten die Frau beim Weidenkätzchenpflücken ertrunken sein. Als Gerüchte aufkommen beginnt ein Kriminalist mit der Ermittlung. Dessen Chef ist gar nicht begeistert, weil der den Stadtrat seit Jahren kennt ...

Ursprünglich sollte der Stoff bereits 1966 verfilmt werden, aber nach dem 11. Plenum war dies nicht möglich. Der Film ist gespickt mit Anspielungen auf die Gegenwart: Intoleranz und Engstirnigkeit, verkommene Ethik und Moral, Geld, materielle Werte und Privilegien diktieren die neuen Normen.

Gesprächspartner: Gunter Schoß


So, 28.10.2018, 11.00 Uhr
Alarm im Zirkus (DEFA 1954, s/w, 83 min)

Regie: Gerhard Klein; Buch: Wolfgang Kohlhaase, Hans Kubisch; Kamera: Werner Bergmann; Musik: Günter Klück; Darsteller: Erwin Geschonneck, Ernst-Georg Schwill, Uwe-Jens Pape, Karl Kendzia, Ulrich Thein, Siegfried Weiß, Hans Winter, Günther Haack, Marga Legal, Erich Franz

Die Westberliner Jungen Klaus und Max leben in ärmlichen Verhältnissen. Ihr Traum ist eine Boxerkarriere, und um sich Boxhandschuhe fürs Training kaufen zu können, sparen sie jeden Pfennig. Doch es reicht nicht. Und so lassen sie sich vom Kneipenwirt Klott für ein krummes Geschäft anheuern. Durch Zufall kann Klaus ein Gespräch Klotts belauschen und erfährt, dass er sich an einem Pferdediebstahl im Ostberliner Zirkus Barlay beteiligen soll, wo er gerade neue Freunde gefunden hat. Er ist empört und beschließt, den Diebstahl zu verhindern. Das bringt ihn in Lebensgefahr ...

Der abenteuerliche Jugendkrimi spielt an der Front des Kalten Krieges in der geteilten Stadt Berlin. Ein Film ohne vordergründige Propaganda und ganz im Stil des italienischen Neorealismus. Der Film war der Auftakt der Berlin-Filme des Erfolgsduos Klein und Kohlhaase.

Gesprächspartner: Ernst-Georg Schwill

Wir bedanken uns bei der DEFA-Stiftung – Deutsche Kinemathek für die Bereitstellung der Fotos.

Eintritt: 7 €
Dauerkarte für alle Veranstaltungen: 25 €

Wegen der begrenzten Platzkapazität bitten wir um Kartenvorbestellung unter E-Mail: info@ifm-wolfen.de oder Tel.: 03494/636446

Infos zum Termin
24. Oktober 2018, 18:30 bis 28. Oktober 2018, 12:30 Uhr
Industrie- und Filmmuseum Wolfen, Chemiepark, Areal A
Bunsenstr. 4, 06766 Wolfen
Der Termin wurde eingestellt von der Redaktion neues deutschland
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